Meeresfrüchte
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Uraufführung


Komödie nach dem Drehbuch des Films von Olivier Ducastel und Jacques Martineau
Theaterfassung von Anika Bárdos und André Rößler
Kleines Haus
Aufführungsdauer 1 Stunde 45 Minuten. Keine Pause.
RegieAndré Rößler
BühneSimone Steinhorst
KostümeIndra Nauck
DramaturgieAnika Bárdos
Mit:
MarcLars Wellings
Béatrix, seine FrauEvelyn M. Faber
Laura, ihre TochterFranziska Werner
Michael, Lauras FreundFlorian Thunemann
Charly, ihr SohnMichael von Bennigsen
Martin, Charlys FreundMartin Müller
Mathieu, Béatrix LiebhaberWolfgang Böhm
Didier, KlempnerTobias Randel
Sommer am Meer. Marc und Béatrix, ein attraktives Pärchen im besten Alter, sind mit ihren beiden Kindern an die Côte d’Azur gefahren. In einem idyllisch gelegenen Häuschen wollen sie gemeinsam den Sommer genießen. Während die 19-jährige Tochter Laura meistens mit ihrem Freund unterwegs ist, verbringt ihr zwei Jahre jüngerer Bruder Charly die Zeit mit dem gleichaltrigen Martin, seinem besten Freund. Martin ist schwul und verknallt in Charly. Die Eltern beginnen zu glauben, dass ihr Sohn auch schwul ist und eine Affäre mit Martin hat. Eigentlich wäre das kein Problem, denn Béatrix und Marc wollen als liberale Eltern aufgeschlossen mit dieser Entdeckung umgehen, aber vor allem Marc macht der Verdacht ziemlich zu schaffen. Dann taucht spontan Mathieu auf, der Liebhaber von Béatrix. Nun wird es kompliziert. Béatrix trifft sich heimlich mit Mathieu, der gerne mehr will als nur eine Affäre, Martin und Charly gehen auf nächtliche Erkundungsgänge und entdecken dabei mehr als sie erwartet hätten, und in Marc werden Erinnerungen geweckt, die er längst verdrängt zu haben glaubte. Und natürlich darf keiner von den anderen etwas bemerken....

‚Meeresfrüchte’ ist eine turbulente, beschwingte Liebeskomödie. Der französische Film war 2005 ein Überraschungshit in Frankreich und anderswo und bezauberte ein großes Publikum. Leicht und witzig werden große und kleine Themen behandelt: sexuelle Entdeckungen und Erweckungen, Generationskonflikte und natürlich die Liebe in allen Facetten. Es geht drunter und drüber und am Ende ist nichts mehr so, wie es einmal war.

André Rößler (*1978) studierte zunächst Chemie und arbeitete als Schauspieler, bevor er sich an der Berliner ‚Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch’ als Regisseur bewarb. Nach seiner Abschlussinszenierung am Deutschen Theater Berlin arbeitete er als freier Regisseur und inszenierte an den Staatstheatern Stuttgart und Mainz, am Schauspielhaus Graz und am Schauspiel Hannover. In Wiesbaden inszenierte er die Uraufführung von Jörg Grasers ‚Jailhouse Blues’ in der Wartburg.

Gelungen ist in Wiesbaden eine unangestrengte Komödie in zauberhafter Inszenierung, dem Geist nach eine Musikkomödie (mit viel bunter Konserve), die von anmutigen Regieeinfällen strotzt.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.06.2010


Das Ensemble zeigt sich gut aufgelegt, obwohl es eineinhalb Stunden in nassen Klamotten agieren muss. Franziska Werner als Tochter und Tobias Randel setzen in Erinnerung bleibende Akzente – das kennt man von ihnen.

Wiesbadener Kurier, 08.06.2010


Das Stück ist gespickt mit Anspielungen auf Klischees, gesellschaftlichen und aktuellen Problemen, Ironie und jeder Menge Zweideutigkeit. Die Schauspieler passen perfekt in ihre Rollen und spielen die Premiere überzeugend. So überzeugend, dass man am Ende des Stückes das Gefühl hatte, jede der Rollen auf der Bühne persönlich zu kennen. Wer also Lust auf ein witziges Theaterstück mit einem leichten Hauch von ‚American Pie‘ sowie gesunder Ironie und zweideutigen Anspielungen und kein Problem damit hat, zwischendrin kurz aufstehen zu müssen, weil Béatrix und ihr Liebhaber durch die Sitzreihen krabbeln oder Michel seiner betrunkenen Freundin hinterher eilt, der sollte sich unbedingt ‚Meeresfrüchte‘ im Wiesbadener Staatstheater ansehen. Dieser Angriff auf die Lachmuskeln lohnt sich auf jeden Fall.

STUZ, Juni 2010


Rößler kann auch als Regisseur frivoles Kapital aus den sexuellen Irrungen und Wirrungen der Liebesabenteuer schlagen. Hilfreich ist dabei Simone Steinhorsts geradezu nach Sommer duftendes Strandambiente, das die Akteure in knöcheltiefes Wasser stellt und auf Stegen und Leitern zu Inseln heimlicher Liebesträume führt: Vorsicht ‚Spritzgefahr!‘ Rößler überrascht in der Uraufführung mit einer Fülle von Gags. Dazu kommen choreografisch gewitzte Liebesakte, die noch haarscharf die korrekte Kurve nehmen. Die Regie kostet alle Facetten der Zuneigung mit Augenzwinkern aus – auf dass die Liebe Kopf steht. Das Ensemble wärmt sich spürbar genüsslich am erotischen Feuer und lässt nichts zu geschmacklosen Schmuddelecken verkommen. Evelyn M. Faber ist die attraktive, lebensfrohe Ehefrau und Mutter, die es wagt, ihr Leben zu leben, aber auch anderen ganz persönliche Erfüllung zuzugestehen. Auch Marc (Lars Wellings) übersteht als Ehemann und Vater alle Anfechtungen und überspielt charmant seine Hilflosigkeit im Wirrwarr diverser Konflikte. Hin- und hergerissen im Überdruck der Gefühle: Sohn Charly (Michael von Bennigsen), köstlich linkisch Martin Müllers schwuler Freund. Wolfgang Böhm gibt den allzeit akrobatischen Lover Mathieu, der in einer riesigen Krabbelröhre der Tochter des Hauses ihre Liebesfähigkeit zurückschenkt, Tobias Randel sekundiert in allen möglichen Lebenslagen als ominöser Klempner und Sexprotz Didier. Wie gesagt: ‚Es steht alles zum Besten in der besten aller Welten!‘

Frankfurter Neue Presse, 10.06.2010


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