Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny
Eröffnung der Internationalen Maifestspiele 2013
Oper in drei Akten von Kurt Weill
Libretto von Bertolt Brecht
Großes Haus
Aufführungsdauer 2 Stunden 40 Minuten. Eine Pause.

Ein Taifun bedroht die Paradies-Stadt Mahagonny, in der die Bewohner ein beschauliches, aber zunehmend unzufriedenes Leben führen. Die Bedrohung inspiriert ein neues Gesetz: Du darfst alles! Und obwohl der Taifun die Stadt verschont, lebt man weiter nach der neuen Norm. Die Stadt blüht auf, die Bedürfnisse steigen und mit ihnen die Preise. Das bringt ein Problem mit sich: Man darf zwar alles, aber nur, wenn man es bezahlen kann! Als Jim Mahoney, der das Gesetz selbst eingeführt hat, das Geld ausgeht, wird er zum Tode verurteilt.
Das ‚Mahagonny‘-Projekt stand mehrere Jahre im Zentrum der Zusammenarbeit von Kurt Weill und Bertolt Brecht. Zunächst entstand ein Songspiel, das im Sommer 1927 uraufgeführt wurde. Von 1927 bis 1929 arbeiteten Weill und Brecht den Stoff des Songspiels schließlich zu einer neuartigen ‚epischen‘ Oper unter dem Titel ‚Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny‘ aus, zu einem satirischen und desillusionierenden Gegenentwurf, mit dem das abgenutzte Genre der Oper erneuert werden sollte. 1930 fand in Leipzig die Uraufführung statt und provozierte einen Skandal. Derweil hatte der Songstil Weills bereits die Schlager- und Filmindustrie sowie die Kabaretts erobert. Weltberühmt wurden die Mahagonny-Songs ‚Moon of Alabama‘ und ‚Wie man sich bettet, so liegt man‘ u. a. interpretiert von Lotte Lenya, Ute Lemper und Hildegard Knef.
Vor dem Hintergrund heutiger Finanzkrisen erhält die Oper, die eine negative Utopie einer kapitalistischen Gesellschaft entwirft, neue Brisanz. Regie führt Intendant Manfred Beilharz, der nach Schauspiel-Inszenierungen wie ‚Glaube Liebe Hoffnung‘, ‚Geschichten aus dem Wiener Wald‘ und ‚Othello‘ mit einer Inszenierung des Musiktheaters die Internationalen Maifestspiele 2013 eröffnet.
Zur Eröffnung der Wiesbadener Maifestspiele hat Intendant Manfred Beilharz diese mit Ohrwürmern gespickte Übung in Unbotmäßigkeit jetzt ins Stuck- und Putten-Ambiente des Großen Hauses verfrachtet – und einen fabelhaften, in einprägsamen Bildern und intelligenten Frechheiten schwelgenden Abend hingestellt, der dank erstklassiger Sänger und dem Händchen von Generalmusikdirektor Zsolt Hamar für den parodistischen Furor der Weill’schen Musik nachgerade zum Ereignis wird.
Wiesbadener Kurier/Tagblatt, 29.04.2013
Dirigent Zsolt Hamar, GMD des Hauses, bringt den raffinierten Ideenreichtum von Kurt Weills Komposition gefühlvoll und pointiert zum Klingen: die schrägen Zirkuskapellen-Nummern wie die surreal schwebenden Liebesballaden. Immer wieder steuert Hamar Orchester, Chor und Solisten an den Rand, wo das Melodrama in Wahnsinn umkippen könnte. Ein kunstvoller Balanceakt, der bei der Premiere gelingt und mit viel Applaus belohnt wird.
Darmstädter Echo, 29.04.2013
Das ist die große Stärke dieser Produktion, mit der jetzt die Internationalen Maifestspiele eröffnet wurden: Die Stimmen spiegeln Charaktere wider. Nicht alles ist schön und glatt, von klassischem Operntimbre ist man so weit entfernt, wie sich klassisch geschulte Opernsänger davon entfernen können.
Frankfurter Rundschau, 29.04.2013
Neben Erik Biegel (Fatty) und der hintergründigen Andrea Baker als Begbick bringt Kiril Manolov als Dreieinigkeitsmoses seine imposante Statur und Stimme gebührend zur Wirkung. Aus dem Quartett der vier Holzfäller – Jonas Gudmundsson als unersättlicher Jakob, Brett Carter als letzter Freund Bill und Dennis Wilgenhof als unglücklicher Boxer Joe – ragt Daniel Brenna als spontan-temperamentvoller Jim hervor, mit Emma Pearson als Jenny findet er auch subtilere Töne, etwa für das (nachkomponierte) Kranichlied. Insgesamt agieren die Mädchen und Männer von Mahagonny mit Spielfreude und Klangfülle, Anton Tremmel war für den Chor verantwortlich.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.04.2013
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