Der Vogelhändler (The Bird Seller)
picturepicture
picturepicturepicturepicturepicturepicturepicturepicturepicturepicturepicturepicturepicturepicturepicturepicturepicturepicturepicturepicturepicturepicturepicture


Operetta in three acts by Carl Zeller
Libretto by Moritz West and Ludwig Held, based on the vaudeville show ‘Ce que deviennent les roses’ by Victor Varin and Edmond de Biéville
Großes Haus
Running time 2 hours 45 minutes. One intermission.
Musical directorBenjamin Schneider, Wolfgang Wengenroth
DirectorAnsgar Weigner
ChoreographerTorsten Gaßner
Set designerRobert Schrag
Costume designerRenate Schmitzer
Choir choachingAnton Tremmel
DramaturgyKarin Dietrich
With:
Kurfürstin MarieAnnette Luig
Adelaide, HofdameKerstin Witt
Baron Weps, Wald- und WildmeisterJoachim Goltz, Axel Wagner
Graf Stanislaus, sein NeffeJud Perry
Süffle, ProfessorKlaus Krückemeyer
Würmchen, ProfessorWolfgang Vater
Adam, der VogelhändlerMarkus Francke, Carsten Süss
Christl, PostbotinSharon Kempton, Iva Mihanovic
Schneck, DorfschulzeErik Biegel
NebelPetra Urban
PfarrerJos Hendrix, John D. Holyoke
DorfbewohnerJochen Elbert, Patrick James Hurley, Keun Suk Lee, Marc-Wolfgang Frey, Koan-Sup Kim, Vladimir Emelin
HofdameClaudia Weixel-Schmitz
Kellner, Kurfürst, DorfdeppThomas Braun
EmmerenzMartin Widmer
 
  Doppelbesetzung in alphabetischer Reihenfolge, Orchester, Chor und Statisterie des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden
Adam the bird seller has returned from Tyrol eager to be reunited with his fiancée, the postal worker Christel. She plans to ask the Prince Elector, who has declared his intention to go hunting, to give Adam a job as Menagerie Director so that the two may be wed. However, a magnificent operetta eternity passes before Christel is able to take her beloved Adam into her arms, as a string of entanglements ensues involving poaching, corruption, love affairs and jealousy – all played to music that offers one catchy tune after the other. Titles such as ‘Grüaß enk Gott, alle miteinander,’ ‘Ich bin die Christel von der Post’ and ‘Schenkt man sich Rosen in Tirol’ have become famous around the world ever since the operetta premiered in Vienna in 1891. Within just a few months, 200,000 copies of Adam’s song ‘Wie mein Ahn‘l zwanzig Jahr’ had been sold.

To this day, the people of Vienna consider Carl Zeller to be the fourth greatest Viennese composer from the ‘Golden Era’ of classic operettas, next to Franz von Suppé, Johann Strauß the Younger and Karl Millöcker. Above all, this esteem is most certainly due to the considerable success of Zeller’s masterpiece ‘The Bird Seller.’ It ranks among the half a dozen operettas that have succeeded in continually remaining in the repertoire of German-language theatres since its premiere, thanks to its esprit and genuine melodic power.

This new production is staged by the young director Ansgar Weigner, who has made a name for himself in Wiesbaden with productions such as ‘Im Weißen Rössl’ (‘The White Horse Inn’) and ‘Der Vetter aus Dingsda’ (‘The Cousin from Nowhere’). His recent engagements have been in Chemnitz, St. Gallen, Krefeld, Mönchengladbach and Gera.
Man hatte seine helle Freude am Treiben auf der Bühne, wo Pfälzer Lebenslust und Tiroler Witz ‚Grüaß enk Gott‘ zueinander sagen. (…) Den Erfolg dieser Operetten-Premiere, von denen es in den vergangenen Jahren ja einige beachtliche in Wiesbaden gegeben hat, stellte wieder einmal ein sehr homogenes und dieser Gattung zugetanes Vokalensemble sicher. Mit Carsten Süß hatte man einen herzigen Vogelhändler im roten Trachten-Janker, der sogar einige Brocken Tiroler Mundart zum Besten gibt. (…) Simone Brähler ist eine ebenfalls viele Sympathien heischende Christel mit einer klaren, hellen Stimme. Aber nicht nur die beiden wohl populärsten Figuren der Handlung erfreuten die Gemüter. Axel Wagner als Baron Weps und Jud Perry als sein finanziell chronisch abgebrannter Neffe Stanislaus (soll laut Regie bald Ehrenbürger von Griechenland werden) sowie die beiden vertrottelten Professoren Würmchen (Klaus Krückemeyer) und Süffle (Wolfgang Vater) hatten bei dieser Inszenierung viel Kontur und Format. (…) Es mag sein, dass es bei der Post nicht so schnell geht (Christel). Das Orchester des Staatstheaters spielte unter der Leitung von Wolfgang Wengenroth wahrhaftig um so temperamentvoller und spritziger. Der abschließende Schnelldurchlauf aller Melodien zum Finale versank förmlich im überschwänglichen Applaus des Publikums, der aber auch der sehr überzeugenden Inszenierung galt.

Frankfurter Neue Presse, 11.10.2011


Der Himmel hängt voller Torten. ‚Vogelhändler‘ als großer Theaterspaß. (…) Die leckeren Rosinen werden in eine frische Textfassung, in eine hinzuerfundene Rahmenhandlung und nicht zuletzt in Robert Schrags herrlich bunte Bilder eingebettet. Der Himmel im Operetten-Rokoko (Rheinpfalz, frühes 18. Jahrhundert) hängt voller Torten, und auf der Bühne tummeln sich die Kabinettstückchen einer perfekt getimten und munter choreografierten Personenführung. Sonderapplaus bekommen zum Beispiel Klaus Krückemeyer und Wolfgang Vater für ihr köstliches Professoren-Duo. Mit Annette Luig (Kurfürstin), Axel Wagner (Baron Weps), Jud Perry (Stanislaus), Carsten Süß (Adam) und Simone Brähler (Christel) bilden sie ein Ensemble, in dem mindestens so überzeugend gespielt wie gesungen wird. Als matronenhafte Hofdame Adelaide zeigt Kerstin Witt starke Bühnenpräsenz. In Weigners Rahmenhandlung erinnert sie sich in einem liebevoll ausgestatteten Kaffeehaus an jene feudalen ‚Vogelhändler‘-Zeiten und lässt bei Mokka-Rieslingtorte auch ein bisschen Melancholie der ‚Rosenkavalier‘-Marschallin spüren. Ja ja, die Zeit rieselt. Bei Uromas Operette kann eine Frischzellenkur aber wahre Wunder wirken, wie man sieht!

Wiesbadener Kurier/Tagblatt, 10.10.2011


Das Maß an Kitsch und Travestie war fein dosiert. Es verstellte jedenfalls in keiner Weise die Wahrnehmung des Schatzes dieses Werks: Die Musik. Zellers Partitur ist eine Mischung aus fast standardisierter deutscher Spielopern-Dynamik mit den obligatorischen Bauernchören, Aufgeregtheits-Repetitionen und Ermahnungs-Intonationen. Aber dann gibt es da einen ganz leichten Ton – immer unironisch, gewissermaßen provinziell ehrlich, der sich in zentralen lyrischen Momenten zu grandioser Weite öffnet: ‚Schenkt man sich Rosen in Tirol‘, ‚Wie mein Ahnerl zwanzig Jahr‘ oder ‚Als geblüht der Kirschenbaum‘. Den Schlüssel für diese schlichte Größe fand Dirigent Wolfgang Wengenroth, dem mit herrlichem Fluss und artikulatorischer Dezenz eine Zeller-Offenbarung gelang: schwebend und pulsierend mit dem superben Orchester.

Frankfurter Rundschau, 10.10.2011


So gut durchdacht und in der Personenregie so ausgefeilt sieht man Musiktheater selten. (…) Robert Schrag baute für den ‚Vogelhändler‘ die quietschbunte, vielseitig wandelbare Bühne, deren einrahmendes Gimmick ein Kaffeehaus ist: Dort erzählt Hofdame Adelaide im Rückblick die ganze Geschichte – und gibt am Ende ihren Rosenstrauß einem Jüngling mit, der ihn seiner Liebesten verehren wird. Ein Moment menschlicher Größe, der den Operetten-Spaß ins lebensweise Finale des „Rosenkavaliers“ weitet. (…) Eine großartige Leistung.

Rhein Zeitung, 11.10.2011


Das Staatstheater Wiesbaden stürzt sich mit seiner Inszenierung des ‚Vogelhändler‘ von Carl Zeller hinein ins pralle Operettenleben mit dem Schauplatz vor der eigenen Haustür. Das verwirrende Ringelspiel um den eifersüchtigen, sturen Tiroler Vogelhändler Adam und die fesche ‚Christel von der Post‘, pointiert mit Metaphern wie Rosenstrauß und Kirschenbaum, Wildschweinhatz und Vogelhandel, musikalisch meisterhaft aufgemöbelt mit weiträumigen, opernhaften Ensembleszenen, fand bei der Premiere am Samstag einhellige, von begeisterten Bravorufen begleitete Zustimmung.

Darmstädter Echo, 11.10.2011


[e]