Libretto by Joseph Sonnleithner, Stephan von Breuning and Georg Friedrich Treitschke, based on the version by Jean Nicolas Bouilly
Running time 2 hours 15 minutes. One intermission.
If anything could be considered the national opera of Germany, it would undoubtedly be Beethoven’s only opera, ‘Fidelio,’ the story of a spectacular prison break from the time of the French Revolution. Using the name Fidelio, Lenore disguises herself in men’s clothing and works as a prison guard to search for her missing husband Florestan. Her horrible suspicions prove true: The Governor’s private prisoner, an anonymous man to whom no one other than the prison warden has access, is Florestan. Lenore is able to penetrate his cell and, at the last minute, she succeeds in rescuing him from the Governor’s plot, who fears that his prisoner will be discovered by the Minister during an inspection.
Between 1805 and 1814, Beethoven worked on several versions of the French material from the genre of ‘rescue operas’ and drew upon the opera ‘Lénore’ by Pierre Gaveaux (1798) for ideas. The world premiere of the third and final version in 1814 took place just in time before the dawn of the conservative Restoration Period. Since then, ‘Fidelio’ – which is permeated with a vision of a fair and just world based on freedom, equality and brotherly love – has served as a parable for resistance against the oppression by many dictatorships, regimes and other states lacking civil rights. In this way, ‘Fidelio’ can be seen as utterly timeless and placeless: The story applies to yesterday, today and tomorrow. The prison, in which Florestan is kept as the governor’s secret captive, could be located anywhere in the world.
This production has been placed in the capable hands of Hans Hollmann, a director originally from Graz who, after beginning his career as an actor and director at the Wiener Theater in der Josefstadt, gained national fame with his 1967 staging of Horváth’s ‘Italian Night’ at the Staatstheater Stuttgart. Since then Hollmann has directed nearly every major theatre in Germany, Austria and Switzerland in addition to his many television and cinema productions. He most recently made an appearance in Dani Levy’s film ‘Das Leben ist zu lang’ (‘Life is Too Long’).
Viel Beifall für ‚Fidelio‘!
Die erste Opernpremiere der Saison bekommt im Staatstheater Wiesbaden lang anhaltenden Beifall. Eindrucksvoll düstere Bilder kennzeichnen Hans Hollmanns Inszenierung von Beethovens Oper ‚Fidelio‘, während Marc Piollet im Orchestergraben für Hochspannung sorgt.
Wiesbadener Kurier, 12.09.2011
Es wird einem wirklich kalt im Verlies, in dem Florestan in einem Folter-Kubus wie zur Vierteilung aufgehängt ist. Der Chor (Einstudierung: Anton Tremmel) ist einem Bombardement aus Meinungen und ldeologie-Fragmenten ausgesetzt, die in den grauen, von Hans Hoffer karg gehaltenen Bühnenkasten projiziert werden. Bibelworte mischen sich mit Politischem, und ein böses Robespierre-Zitat verweist auf den revolutionären Ursprung der ‚Fidelio‘-Handlung: ‚Die Tugend ist ohne den Terror machtlos‘. Die Bühne wird von Thomas Märker sehr suggestiv ausgeleuchtet und korrespondiert mit der düsteren Grundierung in Beethovens Musik. Die f-Moll- Einleitung und Florestans große Arie am Anfang des zweiten Aufzugs wird auch von Marc Piollets Dirigat als musikdramatischer Höhepunkt bestätigt Der Puls der Pauke bringt das Paradoxon komponierter Stille zum Ausdruck, während Gast-Florestan Thomas Piffka es hier schafft, der Partie des gequälten Florestan eine existenzielle Glaubwürdigkeit zu verleihen, ohne auf Klangschönheit verzichten zu müssen.
Mit der furiosen Rachearie des Don Pizarro führt sich der neu engagierte Bariton Joachim Goltz bestens in ein Ensemble ein, zu dem auch Bernd Hofmanns lebendig gestaltender Rocco, der Fernando des Thomas de Vries und Jonas Gudmundssons Jaquino gehören.
Ensembles und Arien wirken ohne Dialoge nicht wie Elemente einer Spielhandlung, sondern wie surreale Situationen, die mit der Verweigerung des Realismus um so mehr auf die Qualitäten der Partitur verweisen. Marc Piollet lässt es in seinem scharf konturierten Dirigat an Drive nicht fehlen.
Wiesbadener Tagblatt, 12.09.2011
Den Weg in die Abgründe wies im Orchestergraben Marc Piollet, der hier seine letzte Spielzeit als Wiesbadener GMD einleitete. Und er scheint noch einmal ein gewaltiges Ausrufezeichen setzen zu wollen – sein Dirigat war ein musikalischer Malstrom, ein Sog von großer Substanz.
Überhaupt griff Holimann tief in die Trickkiste. So erschien und verschwand der Chor Gefangenen magisch in einem schwarzen Kubus, und was noch trickreicher war: Die Gefangenen waren keine Häftlinge, es war die Gesellschaft selbst. Gefangen alleine unter der Knute der Medien, paralysiert durch markige Phrasenprojektionen, gefesselt durch eine Cyberbrille. In Freiheit, im Sonnenlicht, lasen sie erst einmal Bücher.
Frankfurter Rundschau, 12.09.2011
Auch die Art, wie Marc Piollet das vorzüglich spielende Orchester animiert, nützt der eher nüchternen, konzentrierten und pathosfreien Sicht auf das Stück: schlank, akzentuiert, rasch und variabel im Tempo, klangbalanciert, die Sänger stützend. Am dichtesten gelingt das im beginnenden zweiten Akt: Mit bebend grummelnder Tiefe führt das Orchester ins Verlies hinab, wo Florestan, an Armen und Beinen hochgebunden, beklemmend leidet. Thomas Piffka braucht dazu keine heldentenoralen Qualitäten.
Sinéad Mulhern, die sich hier vom Fidelio zur Leonore zurückverwandelt, singt tatsächlich diese zwei Rollen; jugendlich-gerade die männliche, mit größerer Wärme die bedingungslos Liebende. Mit Joachim Goltz (Don Pizarro) hat das Staatstheater einen markanten Bariton ins Ensemble hinzugewonnen. Bernd Hofmann singt den ältlichen Rocco und Sharon Kempton seine Tochter, deren eingangs blühende Gefühle so schmählich verraten werden.
Frankfurter Neue Presse, 13.09.2011
Prägenden Anteil an Hollmanns Inszenierung, die somit manche Klippe in Beethovens einziger, in der gängigen Fassung aus dem Jahr 1814 gespielten Oper umschifft, hat die spannungsvolle Ausstattung: Während die Kostüme von Gera Graf auf die Zeit des Wiener Kongresses verweisen; ist Hans Hoffers Bühnenbild mit einem großen schwarzen Kubus, dem die Gefangenen entsteigen, zeitlos bedrohlich.
Offenbacher Post, 13.09.2011